Olympia 2008 Beijing

Hi!

Erstmal muss ich sagen, dass ich mich sehr gefreut habe, als ich eben gesehen habe, dass mein Blog die ersten Besucher und Leser hat! Vielen Dank dafür!

Die letzten Tage habe ich, wie denke ich fast jeder einige Berichterstattungen über den Fakellauf zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele dieses Jahres in Beijing oder Peking verfolgt. Während der letzten drei Etappen -London, Paris und San Francisco – kam es jedes Mal zu großen Protestaktionen, die in Paris sogar so weit gingen dass die Fakelläufer so stark bedrengt wurden, dass das symbolische Feuer phasenweise aus Sicherheitsgründen gelöscht wurde. Mindestens genauso erschreckend war für mich allerdings die Reaktion der Organisatoren. Demonstranten wurden von Sicherheitskräften und Mitgliedern des Chinesischen Sicherheitsdienstes teilweise brutal über den Asphalt gezerrt und in „Rugby-Manier“ getackelt. Außer in San Francisco, wo sich die Stadt entschied, selber für die Sicherheit der Läufer einzutreten, wurde in den letzten Tagen jeweils Rund 10 bis 15 chinesische Sicherheitsbeamte abgestellt die einen Wall um die Fakel bilden und diese schützen sollen. Berichte der tagesschau zeigten aber viel mehr, dass diese so verunsichert und schon fast paranoid handeln, dass sie die Eröffnung der Spiele zu einer Farce werden lassen. Als der französische Judo Schwergewicht Olympiasieger David Douillet das Feuer an den nächsten Träger überreichen will entscheiden die Sicherheitskräfte ohne erkennbares Sicherheitsrisiko, dass der Lauf an dieser Stelle abgebrochen werde…

Ergebnis all dieser Proteste für die Menschenrechte der Zivilbevölkerung in Tibet und Burma, ist jetzt schon das der Großteil der Berichterstattung und des öffentlichen Interesses nicht mehr auf der Eröffnung der Olympischen Spiele, sondern auf der politischen Situation in deren Gastgeberland haftet. Somit könnte man sagen, sei es eine erfolgreiche Demonstration und Protestaktion, allerdings hat das ganze auch eine Kehrseite.

Ohne Zweifel sollten Menschen- und Völkerrechtsverletzungen immer einen höheren Stellenwert haben als jedes sportliche Großereigniss und das sich Kämpfer für diese Rechte eine solche Gelegenheit geballter Aufmerksamkeit der Weltbevölkerung nicht entgehen lassen können ist auch verständlich. Trotzdem sollte daran erinnert werden, dass es nicht richtig ist auf dem Rücken der Sportler und der Verbände einen politischen Streit auszutragen der auf einem Situation beruht die nun seit rund einem halben Jahrhundert andauert. Tibet ist ein Land das seit mehreren Jahrzehnten seinen geistigen und weltlichen Führer den Dalai Lama vermisst, da er ins Exil fliehen musste, dessen Kultur zerstört wird und das auf Grund von Umsiedlung von Millionen von Han-Chinesen langsam aber sicher seine Identitäten zu verlieren droht. Aber wusste man das vor etwa 8 Jahren nicht, als genau diesem Land das für schwerste Menschenrechtsverletzungen angeklagt gehört, die olympischen Spiele zugesprochen wurden? Hier liegt doch der eigentliche Fehler. Argumentationen, dass durch die Ausrichtung der Spiele eine Annährung zwischen China und dem Rest der Welt gelingen könnte, gehen jetzt, Wochen vor der offizielen Eröffnungsfeier schon in Schall und Rauch auf.

Nun diskutieren Funktionäre nicht an der Eröffnungsfeier teil zu nehmen oder gar über einen Boykott der gesamten Spiele. Abgesehen davon, dass eine solche Aktion ohne die Unterstützung fast aller „wichtigen und großen“ Länder, wirtschaftliche und politische Folgen haben würde, die weder den Menschen in Tibet oder Burma helfen würden und zur gleichen Zeit für einzelne Nationen verherende Folgen haben könnten, ist das in meinen Augen nicht die „Waffe“ die der Sport gebrauchen sollte.

Die Olympischen Spiele sind für jeden Sportler der Welt, das größte Ereignis seiner Laufbahn und sie tragen auch eine enorme emotionale, Frieden stärkende und Verbrüdernde Bedeutung für die ganze Welt. Diese Spiele zu boykotieren, wäre falsch. Doch es gibt Wege wie Sportler auf Probleme aufmerksam machen können und für Werte einstehen können, indem sie genau die Aufmerksamkeit die momentan die Demonstranten erhalten, während der Spiele nutzen. Von Armbändern mit einem Aufdruck „Sports for human rights“ die eine Initiative der Onlinecommunity www.netzathleten.de bald verkaufen wird, über rasierte Köpfe, die die Verbindung zu tibetischen Mönchen symbolisieren sollen, bis zu tibetischen Flaggen die sich, beispielsweise der weltklasse Schwimmer Pieter van den Hoogenband, auf die Wangen malen will. All das wird Aufmerksamkeit erregen und nur schwer durch die chinesischen Behörden verhinderbar sein.

Ich hoffe darauf, dass Olympia diesen Sommer einen Grundstein für eine Veränderung in der Tibet und Burma Frage legen kann und ich glaube diese Hoffnung ist auch begründet. Am Ende steht allerdings auch fest, dass es der Courage unserer Politiker bedarf, nicht von dem Wirtschaftsriesen der Zukunft eingeschüchtert zu sein und offen Stellung zu beziehen. Das wäre sehr wünschenswert, allerdings in unserer Zeit, in der aus ökonomischen Gründen Kriege geführt werden und ma meinen könnte, dass Ölpipelines mehr Wert sind als Menschenleben, vielleicht zu viel verlangt…

Hier findet ihr die Initiative „Sports for Human Rights“ und könnt auch Armbändchen mit diesem Slogan bestellen:

http://www.netzathleten.de/specials/humanrights/index.jsp;jsessionid=B04651E75715DDCC443D272E4CA94743.worker199

~ von jonashoffmann am April 10, 2008.

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